
Auf der Alpenstrasse geht es nicht darum, Kilometer in halsbrecherischem Tempo mit aufheulendem Motor abzufahren. Die Straße wird in Etappen genossen, man nimmt sich Zeit zum Anhalten, Spazierengehen und Genießen. Ein Kaffee in einem Dorf, ein Stück Kuchen in einer kleinen Stadt, eine Wanderung zu einem See, eine Kapelle, die man hinter einer Kurve erblickt…
Die Geschichte dieser Route beginnt im Jahr 1858 mit einer Reise von König Maximilian II. von Bayern. Die verschiedenen Orte, die der Monarch zwischen dem Bodensee und Berchtesgaden besuchte, wurden jedoch erst 1960 durch diese Touristenroute miteinander verbunden.

Heute bietet die Route die Möglichkeit, die unglaubliche Vielfalt der bayerischen Landschaften zu entdecken. Sie führt vorbei an 25 beeindruckenden Schlössern, Klöstern und Kirchen, ganz zu schweigen von den unzähligen kleinen Kapellen und alten Holzkreuzen, die die Landschaft prägen. Auch die Dörfer selbst sind sehenswert, mit ihren Traditionen, Festen und ihren ganz eigenen Charakter. Kurz gesagt: Sie laden dazu ein, innezuhalten und die bayerische Lebensart zu genießen.
Lindau, das Tor
Unsere Reise beginnt in Lindau, dem offiziellen Tor zur Route. Die Stadt besitzt einen unbestreitbaren Charme: Ihr historischer Stadtkern liegt auf einer Insel im Bodensee, am Schnittpunkt von vier Ländern – Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Eine Lage die ihr kosmopolitisches Flair und ein anhaltendes Urlaubsgefühl verleiht.
Am Hafeneingang wacht ein imposanter bayerischer Löwe aus Sandstein gegenüber dem alten Leuchtturm, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Ein moderner Lecuhtturm ist übrigens der einzige in Bayern. Bei einem Spaziergang ententlang der Hafenpromeande kommt man so richtig in Ferienstimmung . Die Maximilianstraße, die Haupteinkaufsstraße, sowie die engen Gassen der Altstadt mit ihren wunderschönen Fassaden, laden zum Verweilen und gemütlichen Bummel ein.
Überall gibt es etwas zu bewundern: das alte, mit Fresken geschmückte Rathaus, der Brigantenturm, die Sankt-Peters Kirche oder das beeindruckende Cavazzan-Haus.
Da wir bereits einige Stunden Fahrt hinter uns hatten um nach Lindau zu kommen, beschlossen wir, es am ersten Tag etwas ruhiger angehen zu lassen. Wir fuhren Richtung Scheidegg im Allgäu. Nur zwanzig kurze Kilometer … aber sieben Haarnadelkurven bis dorthin!
Scheidegg, tief durchatmen
Mit seinen hübschen, mit bunten Schindeln gedeckten Häusern ist Scheidegg ein idealer Ort, um frische Luft zu schnappen. Naturliebhaber können zu Wasserfällen oder in den Erlebniswald wandern. Die Kleinstadt ist zudem in ganz Deutschland für ihr vielfältiges glutenfreies kulinarisches Angebot bekannt.
Scheidegg – Füssen, die Königsetappe
Wir setzen unsere Reise Richtung Füssen fort. Die Straße führt durch Oberstaufen und Bad Hindelang und überquert dann den Oberjochpass. Die Kurven folgen Schlag auf Schlag, aber das ist nicht weiter schlimm: Mit jeder Haarnadelkurve verändert sich die Landschaft und eröffnet einen neuen Blick auf die Gipfel.
Die Berge sind majestätisch, die Täler grün, die Dörfer kokett mit ihren traditionellen Häusern mit geschnitzten Balkonen und üppiger Blumenpracht. Hier braucht man nicht auf den Tacho zu achten: Die Geschwindigkeit nimmt fast von selbst ab. Und wir halten oft an. Für einen Kaffee, ein Stück Kuchen… oder einfach, weil ein Ausblick mehr als nur einen raschen Blick verdient.
Und dann, plötzlich, hinter einer Straßenkurve, tauchen Türme auf.

Neuschwanstein!
Das Märchenschloss Ludwigs II. von Bayern scheint direkt einem Märchen entsprungen zu sein. Ein Besuch ist natürlich ein Muss, ebenso wie ein Besuch von Hohenschwangau direkt gegenüber, dem Schloss seines Vaters. Vorher ist das Museum der Bayerischen Könige empfehlenswert. Es vermittelt ein tieferes Verständnis der Dynastiegeschichte der Wittelsbacher, des politischen Kontextes und der Persönlichkeit Ludwigs II. Anschließend weiß man die königlichen Prachtbauten besser zu schätzen.

Ich gebe zu, ich bin fasziniert von der Geschichte Ludwigs II. und erliege widerstandslos dem Zauber dieses Ortes.
Ein kleiner Tipp: Buchen Sie Ihre Tickets im Voraus. Und seine Sie gedulgig bei der Parkplatzsuche... Der Ort ist völlig überlaufen.Die Beliebtheit des Schlosses ist seinem Ruf absolut gerecht.
Doch die Region hat weit mehr zu bieten als nur Schlösser. Es wäre schade, abzureisen, ohne Füssen, ein charmantes Städtchen mit gotischen Fassaden, zu entdecken. Besonders sehenswert ist das Stadtmuseum in der ehemaligen Benediktinerabtei Saint-Magne.
Füssen – Garmisch-Partenkirchen, es geht nach oben!
Ein letzter Blick Richtung Neuschwanstein – ja, noch einmal! – und wir sind zurück auf der Deutschen Alpenstrasse.

Nun geht es durch den Pfaffenwinkel, der seinen Namen den 159 Kirchen und zahlreichen Abteien verdankt.
Die Route erhält somit von Anfang an einen sehr spirituellen Charakter.
Erste Station: die prächtige Wallfahrtskirche von Wies mitten in der Natur, bevor es weitergeht nach Oberammergau, berühmt für ihredie alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele und für die Häuser mit reich bemalten Fassaden.
Als Nächstes steht das barocke Kloster Ettal auf dem Programm. Das Kloster hat seine eigene Brauerei: bayerische Spiritualität kann auch genussvoll sein!
Dann ändert sich die Landschaft erneut und unsere Blicke richten sich nach oben. Wir befinden uns in Garmisch-Partenkirchen, am Fuße der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg mit 2.962 Metern. Kein Wunder, dass der Ort viele Besucher anzieht. Eine Zahnradbahn und Seilbahnen ermöglichen einen bequemen Zugang zum „Dach Deutschlands“.

Ein kleiner Tipp: Nehmen Sie den ersten Zug gegen 8 Uhr morgens, um den Menschenmassen so gut wie möglich zu entgehen.
Oben angekommen, wird man mit einer spektakulären Aussicht belohnt: Das Panorama umfasst rund 400 Gipfel, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Italien und der Schweiz. Angesichts dieser Aussicht sind die Anstrengungen der letzten Meter bis zum Gipfelkreuz schnell vergessen.
Aber Vorsicht: Selbst wenn im Tal brütende Hitze herrscht, kann das Thermometer auf dem Gipfel zwischen 0 und 15 °C anzeigen. Deshalb: eine kleine Jacke nicht vergessen!
Garmisch-Partenkirchen – Tegernsee, im Land der Seen
Bevor wir unsere Reise nach Tegernsee fortsetzen, machen wir einen Abstecher nach Mittenwald, dem Dorf der Geigenbauer. Für mich eines der schönsten Dörfer Seine bemalten Häuser sind besonders reizvoll, und sogar der Kirchturm ist reich verziert!

Dann führt uns die Straße nach Oberbayern, ins Herz der Alpenseenregion. Bis jetzt hatten uns vor allem die Berge fasziniert. Nun sind es die blauen Gewässer, die alle Blicke auf sich ziehen.
Walchensee, Kochelsee, Sylvensteinspeicher… Die Seen reihen sich aneinander, die Landschaften werden immer lieblicher. Einige ruhige Strände laden zum Baden ein.

In Bad Tölz am Isarufer machen wir eine Pause in der Altstadt. Ein Bummel über den großen Marktplatz, ein Eis – vom Italiener! – und schon geht es weiter.
Unser nächster Halt ist der Tegernsee, ein herrlicher, von Bergen umgebener See. Wir unternehmen eine gemütliche Bootsfahrt, bevor wir – diesmal mit der Wallbergseilbahn – wieder an Höhe gewinnen. Die Seilbahn erspart uns den Großteil des Aufstiegs und ermöglicht eine bequeme Wanderung auf dem Gipfel.

Und nach der Anstrengung kommt, wie so oft in Bayern, die Belohnung: ein gutes Bier und eine gegrillte Schweinshaxe, so köstlich wie reichlich, mit Blick auf den See.
Tegernsee – Chiemsee, ein gemütlicher Abschnitt
Bayern hat mehr zu bieten als nur Bier. Whisky-Liebhaber sollten unbedingt am Schliersee und der Slyrs-Brennerei vorbeischauen, um bayerischen Whisky zu probieren. Doch bevor es dann wieder ans Steuer geht, ist eine kleine Wanderung genau das Richtige!
Nach dem blauen Wasser des Tegernsees befinden wir uns wieder in den idyllischen Landschaften, die die Straße so reizvoll machen: gemähte Wiesen, von denen uns der Duft von Heu herüberweht, Dörfer mit blumengeschmückten Balkonen und bemalten Fassaden, kleine Straßen, die zu einem Pass hinaufführen, bevor es wieder hinunter in ein anderes Tal geht…

In Neubeuern schlendern wir durch das hübsche Dorf, das von einer Burg überragt wird, die man leider nicht besichtigen kann.
Anschließend machen wir einen längeren Halt in Aschau, dem Dorf mit seinen rund 400 Bänken. Hier lädt alles zum Entspannen ein, wie beispielsweise dieser ungewöhnliche Weg, der Aschauer Entschleunigungsweg . Eine perfekte Möglichkeit, die im Auto verbrachte Zeit wieder auszugleichen.

Endlich erreichen wir den Chiemsee , den größten See Bayerns, der auch „das bayerische Meer“ genannt wird. Zugegeben, der See zusammen mit den Alpen bietet ein grandiosess Schauspiel. Der See ist aber vor allem für zwei Inseln berühmt: die friedliche Fraueninsel, und ganz besonders die königliche Herreninsel. Hier ließ Ludwig II., ein großer Bewunderer Ludwigs XIV., Herrenchiemsee errichten , eine beeindruckende Nachbildung des Schlosses von Versailles. Der bayerische König begnügte sich nicht mit bloßer Inspiration: Einige der Räume stehen denen von Versailles in nichts nach, sind sogar noch luxuriöser und überschwenglicher ausgestattet.
Leider ist im Schloss das Fotografieren verboten ist und wir können die von Ludwig II. erträumte Pracht hier nicht zeigen!

Nach der Pracht der Herreninsel ändert sich die Atmosphäre auf der Fraueninsel völlig. Hier genießen wir einen idyllischen Spaziergang zwischen Häusern, Gärten und Keramikwerkstätten.
Und vor allem kosten wir den geräucherten Fisch, der von den wenigen Berufsfischern zubereitet wird, die ihrem Handwerk auf dem See noch nachgehen.
Dann geht es mit dem Schiff zurück nach Prien.
Chiemsee – Berchtesgaden, wir haben es fast geschafft!
Auf den letzten 93 Kilometern beschlossen wir, nur wenige Pausen einzulegen. Wir wollten Berchtesgaden und seiner Umgebung mehr Zeit widmen. Es gibt hier einfach viel zu sehen: die noch in Betrieb befindlichen Salzbergwerke, die Wimbachschlucht und das Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg, der Jennerberg, der legendäre Königssee und die kleine Wallfahrtskirche St. Bartholomäus. Und dann gilt es auch den schönsten Aussichtspunkt auf den majestätischen Watzmann zu finden.

Die Route durch die deutschen Alpen lässt sich auch bei Zeitdruck problemlos in 5 bis 7 Tagen bewältigen. Die abwechslungsreichen Landschaften und die zahlreichen Aktivitäten (Besichtigungen, Spaziergänge, Wanderungen und Wassersport) machen sie umso reizvoller: Es wäre schade, sich nicht genügend Zeit zu nehmen, um jeden einzelnen Stopp in vollen Zügen zu genießen.
Praktische Informationen
Deutsche Alpenstraße
https://www.deutsche-alpenstrasse.de/en/home
Die Website bietet einen detaillierten Reiseplan, Highlights, die man nicht verpassen sollte, Unterkunftsvorschläge, Broschüren zum Herunterladen und Routenvorschläge für eine 7-tägige Reise.

Die Route
Die Route ist in neun Abschnitte unterteilt, die den verschiedenen touristischen Regionen entsprechen: das Allgäu und die Bodenseeregion, vorbei an Berggipfeln und königlichen Schlössern; die Zugspitzeregion, das Tölzer Land und das alpine Gebiet Tegernsee-Schliersee; und schließlich drei Etappen durch das Chiemsee-Alpenland, den Chiemgau und die Region Berchtesgaden.
Die Deutsche Alpenstraße führt sowohl über Bundesstraßen als auch stellenweise kurvenreiche Bergstraßen, auf denen man auch landwirtschaftlichen Fahrzeugen begegnen kann.
Zahlreiche Ladestationen für Elektroautos stehen an Hotels und touristischen Orten zur Verfügung.

Sportliche Option
Etwas weiter nördlich und parallel zur Deutschen Alpenstraße verläuft der Bodensee-Königssee-Radweg (455 Kilometer) über asphaltierte Feldwege und ruhige Straßen durch die Voralpen. Die Strecke weist einen Gesamthöhenunterschied von knapp 4.000 Metern auf. Aufgrund der teils erheblichen Höhenunterschiede – sowohl bergauf als auch bergab – ist diese Route für erfahrene Radfahrer geeignet.
Unterkunft
Scheidegg: Hotel Edita, Tel.+49 8381 92550, www.hotel-edita.com
Schwangau: Das König Ludwig Inspiration SPA, Tel. +49 8362 930930; www.koenig-ludwig-hotel.de
Garmisch-Partenkirchen: Staudacher Hof, +49 8821 9290, www.staudacherhof.de
Tegernsee: Der Westerhof, +49 8022 18890, www.derwesterhof.de
Chiemsee-Grassau: Das Achental, Tel. +49 8641 4010, www.das-achental.com
Berchtesgaden: Hotel Edelweiß, +49 8652 9790, www.edelweiss-berchtesgaden.com



















































